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Familienanamnese ordnen

„Krebs in der Familie“ sagt fast nichts. „Mutter, Darmkrebs, mit 46“ verändert Ihre Vorsorge.

Aktualisiert 7. September 2026 · Referenzwerte von 2026

Die Angabe, die fast immer fehlt „Krebs in der Familie“ sagt fast nichts „Mutter, Darmkrebs, mit 46“ wer · was · in welchem Alter — das ändert Ihre Vorsorge Das Erkrankungsalter entscheidet oft mehr als die Diagnose selbst.
Das Erkrankungsalter ist die Angabe, die fast immer fehlt — und die oft mehr entscheidet als die Diagnose selbst.
Stand der Angaben Was die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen, legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest — und das ändert sich. Altersgrenzen und Abstände werden regelmäßig angepasst. Nehmen Sie die Angaben hier als Orientierung und lassen Sie sich den aktuellen Stand in Ihrer Praxis oder von Ihrer Krankenkasse bestätigen; beides kostet nichts.

Was in Ihrer Familie vorkam

Erfassen Sie zuerst die nächsten Angehörigen — Eltern, Geschwister, Kinder. Alles bleibt auf Ihrem Gerät.

Die günstigste Untersuchung, die es gibt

Eine geordnete Familienanamnese kostet nichts, dauert einen Abend und verändert in manchen Fällen die gesamte Vorsorge — sie beginnt früher, läuft in kürzeren Abständen oder nutzt andere Verfahren.

Trotzdem wird sie selten sauber erhoben. Der Grund ist meist einfach: Im Termin fragt jemand „Gibt es Krebs in der Familie?“, die Antwort lautet „Ja, meine Mutter“ — und damit endet es. Diese Auskunft ist fast wertlos.

Drei Angaben pro Person, mehr braucht es nicht

Warum das Alter so wichtig ist: Häufige Erkrankungen in hohem Alter sind erwartbar und sagen wenig. Dieselbe Erkrankung deutlich früher als üblich ist das eigentliche Signal — sie legt nahe, dass etwas Vererbtes im Spiel sein könnte.

Muster, die aufhorchen lassen

Nicht die Zahl der Erkrankungen allein zählt, sondern bestimmte Konstellationen:

Nicht nur Krebs

Die Familienanamnese wird fast ausschließlich mit Krebs verbunden. Dabei ist sie an anderen Stellen genauso nützlich:

Wie Sie die Angaben zusammenbekommen

Das ist der praktische Teil, an dem es meist scheitert:

Was daraus folgen kann

In den meisten Fällen: nichts Aufwendiges. Eine Vorsorgeuntersuchung beginnt zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen, oder ein Abstand wird verkürzt.

Bei auffälligen Mustern kommt eine genetische Beratung infrage. Wichtig dabei: Beratung ist nicht Test. Im Gespräch wird zunächst geklärt, ob eine Untersuchung überhaupt sinnvoll ist, was ein Ergebnis bedeuten würde und was es für Angehörige hieße. Sie entscheiden danach — und Sie müssen sich nicht testen lassen, um beraten zu werden.

Plötzlicher Tod eines jungen Angehörigen Wenn ein Mensch unter fünfzig plötzlich und ungeklärt gestorben ist — beim Sport, im Schlaf, ohne vorherige Erkrankung —, gehört das immer angesprochen. Dahinter können vererbbare Herzerkrankungen stehen, die sich feststellen und behandeln lassen, und die Untersuchung betrifft dann die ganze Familie. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen eine Familienanamnese unmittelbar Leben rettet — und einer der am häufigsten verschwiegenen, weil das Thema schmerzt.

Häufige Fragen

Welche Angaben brauche ich pro Person?

Drei: wer und wie nah verwandt, welche Erkrankung genau, und in welchem Alter sie auftrat. Das Alter ist die Angabe, die fast immer fehlt und oft am meisten entscheidet — häufige Erkrankungen in hohem Alter sind erwartbar und sagen wenig, dieselbe Erkrankung deutlich früher als üblich ist das eigentliche Signal.

Welche Muster sind auffällig?

Mehrere Angehörige mit derselben oder verwandten Erkrankungen; ein ungewöhnlich frühes Erkrankungsalter, besonders unter fünfzig; Brust- und Eierstockkrebs in derselben Familie; Darmkrebs zusammen mit Gebärmutterkrebs; Brustkrebs bei einem Mann; eine Person mit mehreren verschiedenen Tumoren; und der plötzliche, ungeklärte Tod eines jungen Menschen.

Geht es dabei nur um Krebs?

Nein, obwohl die Familienanamnese fast nur damit verbunden wird. Herzinfarkt oder Schlaganfall vor dem 60. Lebensjahr bei Eltern oder Geschwistern verschiebt die eigene Risikoeinschätzung deutlich. Sehr hohe Cholesterinwerte über Generationen können auf eine vererbte Fettstoffwechselstörung hinweisen — eine der am besten behandelbaren und am häufigsten übersehenen Erkrankungen. Auch Thrombosen, Hüftbrüche und Diabetes zählen.

Was ist, wenn ich vieles nicht weiß?

Das ist normal. Eine unvollständige Familienanamnese ist immer noch wertvoller als keine, und „weiß ich nicht“ ist eine gültige Antwort, die auch so festgehalten gehört. Fragen Sie bei Gelegenheiten, an denen ohnehin gesprochen wird, und schreiben Sie es auf, sobald Sie es hören — was nicht notiert wird, ist in einem Jahr wieder unsicher.

Bedeutet genetische Beratung, dass ich getestet werde?

Nein. Beratung ist nicht Test. Im Gespräch wird zunächst geklärt, ob eine Untersuchung überhaupt sinnvoll ist, was ein Ergebnis bedeuten würde und was es für Angehörige hieße. Sie entscheiden danach — und Sie müssen sich nicht testen lassen, um beraten zu werden.

Grundlagen und Quellen
Die Kriterien für eine auffällige Familienanamnese — Häufung gleichartiger Erkrankungen, junges Erkrankungsalter, bestimmte Tumorkombinationen wie Brust- und Eierstockkrebs oder Darm- und Endometriumkarzinom, Brustkrebs beim Mann sowie mehrere Primärtumoren bei einer Person — entsprechen den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und den Kriterien des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Die Bedeutung eines frühen kardiovaskulären Ereignisses bei erstgradig Verwandten und der Hinweis auf eine familiäre Hypercholesterinämie folgen den Empfehlungen der kardiologischen Fachgesellschaften. Die Abklärung nach plötzlichem ungeklärtem Tod junger Menschen einschließlich der Untersuchung von Angehörigen entspricht den Leitlinien zu erblichen Herzerkrankungen. Der Ablauf der genetischen Beratung ist im Gendiagnostikgesetz geregelt.

Was dieser Rechner nicht leistet: er stellt keine Diagnose und berechnet kein Erbrisiko. Er ordnet, was Sie ohnehin wissen — damit es im Termin auf den Tisch kommt.

Zuletzt geprüft 7. September 2026 · Nächste Prüfung März 2027 · Veröffentlicht 7. September 2026

Die Rechner auf dieser Seite sind allgemeine Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Ob eine Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Einzelheiten im medizinischen Haftungsausschluss.