Familienanamnese ordnen
„Krebs in der Familie“ sagt fast nichts. „Mutter, Darmkrebs, mit 46“ verändert Ihre Vorsorge.
Aktualisiert 7. September 2026 · Referenzwerte von 2026
Was in Ihrer Familie vorkam
Erfassen Sie zuerst die nächsten Angehörigen — Eltern, Geschwister, Kinder. Alles bleibt auf Ihrem Gerät.
Was Sie ansprechen sollten
—
—Die günstigste Untersuchung, die es gibt
Eine geordnete Familienanamnese kostet nichts, dauert einen Abend und verändert in manchen Fällen die gesamte Vorsorge — sie beginnt früher, läuft in kürzeren Abständen oder nutzt andere Verfahren.
Trotzdem wird sie selten sauber erhoben. Der Grund ist meist einfach: Im Termin fragt jemand „Gibt es Krebs in der Familie?“, die Antwort lautet „Ja, meine Mutter“ — und damit endet es. Diese Auskunft ist fast wertlos.
Drei Angaben pro Person, mehr braucht es nicht
- Wer — und wie nah verwandt. Eltern, Geschwister und Kinder wiegen am schwersten; Großeltern, Onkel, Tanten und Cousins zählen mit, aber weniger.
- Was — welche Erkrankung genau. „Krebs“ reicht nicht: Darmkrebs und Lungenkrebs bedeuten für Sie völlig Verschiedenes.
- In welchem Alter — die Angabe, die fast immer fehlt und oft am meisten entscheidet.
Warum das Alter so wichtig ist: Häufige Erkrankungen in hohem Alter sind erwartbar und sagen wenig. Dieselbe Erkrankung deutlich früher als üblich ist das eigentliche Signal — sie legt nahe, dass etwas Vererbtes im Spiel sein könnte.
Muster, die aufhorchen lassen
Nicht die Zahl der Erkrankungen allein zählt, sondern bestimmte Konstellationen:
- Mehrere Angehörige mit derselben oder verwandten Erkrankungen.
- Ungewöhnlich frühes Erkrankungsalter, besonders unter fünfzig.
- Brustkrebs und Eierstockkrebs in derselben Familie — oder beides bei derselben Person.
- Darmkrebs zusammen mit Gebärmutterkrebs — diese Kombination hat einen eigenen Namen und eigene Vorsorgeempfehlungen.
- Brustkrebs bei einem Mann — selten, und ein deutliches Signal.
- Eine Person mit mehreren verschiedenen Tumoren im Lauf des Lebens.
- Plötzlicher, ungeklärter Tod eines jungen Menschen — dazu gleich mehr.
Nicht nur Krebs
Die Familienanamnese wird fast ausschließlich mit Krebs verbunden. Dabei ist sie an anderen Stellen genauso nützlich:
- Herzinfarkt oder Schlaganfall vor dem 60. Lebensjahr bei Eltern oder Geschwistern verschiebt die eigene Risikoeinschätzung deutlich.
- Sehr hohe Cholesterinwerte über Generationen können auf eine vererbte Fettstoffwechselstörung hinweisen — eine der am besten behandelbaren und am häufigsten übersehenen Erkrankungen überhaupt.
- Thrombosen und Lungenembolien, besonders in jungen Jahren oder ohne erkennbaren Anlass.
- Hüftbruch bei Mutter oder Vater zählt in die Einschätzung des Osteoporose-Risikos hinein.
- Diabetes bei Eltern oder Geschwistern ist einer der stärksten Punkte im Risikotest.
Wie Sie die Angaben zusammenbekommen
Das ist der praktische Teil, an dem es meist scheitert:
- Fragen Sie bei Gelegenheiten, an denen ohnehin gesprochen wird — Geburtstage, Familienfeiern. Ein gezielter Anruf mit dem Thema wirkt oft bedrohlicher, als er ist.
- Schreiben Sie es auf, sobald Sie es hören. Namen, Erkrankung, Alter. Was nicht notiert wird, ist in einem Jahr wieder unsicher.
- Ältere Angehörige wissen oft mehr über die Generation davor als die eigenen Eltern.
- Fehlende Angaben sind normal. Eine unvollständige Familienanamnese ist immer noch wertvoller als keine — und „weiß ich nicht“ ist eine gültige Antwort, die auch so festgehalten gehört.
Was daraus folgen kann
In den meisten Fällen: nichts Aufwendiges. Eine Vorsorgeuntersuchung beginnt zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen, oder ein Abstand wird verkürzt.
Bei auffälligen Mustern kommt eine genetische Beratung infrage. Wichtig dabei: Beratung ist nicht Test. Im Gespräch wird zunächst geklärt, ob eine Untersuchung überhaupt sinnvoll ist, was ein Ergebnis bedeuten würde und was es für Angehörige hieße. Sie entscheiden danach — und Sie müssen sich nicht testen lassen, um beraten zu werden.
Häufige Fragen
Welche Angaben brauche ich pro Person?
Drei: wer und wie nah verwandt, welche Erkrankung genau, und in welchem Alter sie auftrat. Das Alter ist die Angabe, die fast immer fehlt und oft am meisten entscheidet — häufige Erkrankungen in hohem Alter sind erwartbar und sagen wenig, dieselbe Erkrankung deutlich früher als üblich ist das eigentliche Signal.
Welche Muster sind auffällig?
Mehrere Angehörige mit derselben oder verwandten Erkrankungen; ein ungewöhnlich frühes Erkrankungsalter, besonders unter fünfzig; Brust- und Eierstockkrebs in derselben Familie; Darmkrebs zusammen mit Gebärmutterkrebs; Brustkrebs bei einem Mann; eine Person mit mehreren verschiedenen Tumoren; und der plötzliche, ungeklärte Tod eines jungen Menschen.
Geht es dabei nur um Krebs?
Nein, obwohl die Familienanamnese fast nur damit verbunden wird. Herzinfarkt oder Schlaganfall vor dem 60. Lebensjahr bei Eltern oder Geschwistern verschiebt die eigene Risikoeinschätzung deutlich. Sehr hohe Cholesterinwerte über Generationen können auf eine vererbte Fettstoffwechselstörung hinweisen — eine der am besten behandelbaren und am häufigsten übersehenen Erkrankungen. Auch Thrombosen, Hüftbrüche und Diabetes zählen.
Was ist, wenn ich vieles nicht weiß?
Das ist normal. Eine unvollständige Familienanamnese ist immer noch wertvoller als keine, und „weiß ich nicht“ ist eine gültige Antwort, die auch so festgehalten gehört. Fragen Sie bei Gelegenheiten, an denen ohnehin gesprochen wird, und schreiben Sie es auf, sobald Sie es hören — was nicht notiert wird, ist in einem Jahr wieder unsicher.
Bedeutet genetische Beratung, dass ich getestet werde?
Nein. Beratung ist nicht Test. Im Gespräch wird zunächst geklärt, ob eine Untersuchung überhaupt sinnvoll ist, was ein Ergebnis bedeuten würde und was es für Angehörige hieße. Sie entscheiden danach — und Sie müssen sich nicht testen lassen, um beraten zu werden.
Die Kriterien für eine auffällige Familienanamnese — Häufung gleichartiger Erkrankungen, junges Erkrankungsalter, bestimmte Tumorkombinationen wie Brust- und Eierstockkrebs oder Darm- und Endometriumkarzinom, Brustkrebs beim Mann sowie mehrere Primärtumoren bei einer Person — entsprechen den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und den Kriterien des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Die Bedeutung eines frühen kardiovaskulären Ereignisses bei erstgradig Verwandten und der Hinweis auf eine familiäre Hypercholesterinämie folgen den Empfehlungen der kardiologischen Fachgesellschaften. Die Abklärung nach plötzlichem ungeklärtem Tod junger Menschen einschließlich der Untersuchung von Angehörigen entspricht den Leitlinien zu erblichen Herzerkrankungen. Der Ablauf der genetischen Beratung ist im Gendiagnostikgesetz geregelt.
Was dieser Rechner nicht leistet: er stellt keine Diagnose und berechnet kein Erbrisiko. Er ordnet, was Sie ohnehin wissen — damit es im Termin auf den Tisch kommt.
Zuletzt geprüft 7. September 2026 · Nächste Prüfung März 2027 · Veröffentlicht 7. September 2026
Die Rechner auf dieser Seite sind allgemeine Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Ob eine Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Einzelheiten im medizinischen Haftungsausschluss.